Bildungsgerechtigkeit: Mehr Unterstützung für ärmere Stadtteile

Die Wahl der weiterführenden Schulform nach der Grundschule hängt

stark von sozialen Faktoren wie dem Migrationshintergrund oder dem Wohnort von Schüler*in-

nen ab. Das zeigt eine Datenanalyse der Stadt Frankfurt. Der StadtschülerInnenrat und die Ge-

werkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisieren diesen Zustand und fordern eine

Debatte über die Einführung eines Sozialindexes zur besseren Unterstützung von Schulen in är-

meren Stadtteilen.


Förderschule, Hauptschule, Gymnasium, Integrierte Gesamtschule oder Realschule – auf welche

weiterführende Schule soll es gehen? Vor dieser Entscheidung stehen Schüler*innen und deren

Eltern am Ende der Grundschulzeit. Wie sie sich entscheiden wird von vielen sozialen Faktoren

beeinflusst. Für das Schuljahr 2020/2021 liegt mit der neusten Ausgabe von „frankfurt statistik

aktuell" eine Datenanalyse vor.


„Die Daten bestätigen nochmal, dass es leider nicht egal ist, wo man selber oder die Eltern her-

kommen und wie viel Geld sie haben. Die Schullaufbahn - und damit auch der Lebensweg -

werden somit stark von der familiären Situation beeinflusst. Das muss sich ändern.", fordert Ka-

lani Karakaya, Vorstandsmitglied im StadtschülerInnenrat. Es bräuchte vor allem mehr individu-

elle Förderung, um auf die unterschiedlichen Defizite und Stärken einzugehen und mehr Sprach-

förderungsangebote für Kinder aus Familien, die als Muttersprache eine andere Sprache als

Deutsch zu Hause sprechen. Außerdem sei der Übergang von der Grundschule in eine weiter-

führende Schule mit dem Zeitpunkt der vierten Klasse zu früh gelegt und die soziale Selektion

damit zu groß, so Karakaya.


Die Datenanalyse der Stadt zeigt außerdem, dass es große Unterschiede zwischen den Stadttei-

len bei der Wahl der Schulform gibt. In Stadtteilen mit wohlhabenderen Milieus wie beispiels-

weise dem Westend wechselten Anfang des letzten Schuljahres knapp 90 Prozent der Kinder

nach der Grundschule auf ein Gymnasium. In anderen Stadtteilen wie Eckenheim wechselten

nur 27,9 % der Grundschüler*innen auf ein Gymnasium. „Bildungsbenachteiligung aufgrund

der sozialen Herkunft ist stark stadtteilbezogen. Deswegen müssen wir Schulen in Stadtteilen

mit einer erhöhten sozialen Bedarfssituation stärker unterstützen. Zum Beispiel in Hamburg wer-

den Bildungsressourcen und städtische Mittel nach einem Sozialindex priorisiert.", sagt Stadt-

schulsprecher Hannes Kaulfersch. „Wir sollten über eine ähnliche Ressourcenpriorisierung auch

in Frankfurt nachdenken und darüber eine Debatte führen.", so Kaulfersch.